
Verleihung des Alstom Innovationspreis 2010: Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP, 2.v.li. und Dr. Martin Lange, Vorstand Alstom Deutschland AG (re.) (Foto: juergenlueck.com)
Hannover
Auch in schwierigen Zeiten bleibt Alstom Transport auf Kurs. Vorstand Dr. Martin Lange (rechts) verlieh gemeinsam mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP, 2.v.li.) den Innovationspreis 2010 im Bahnhof Leinhausen an Studenten. Keine nervenden Koffer mehr im Abteil, über Facebook Freunde im Zug finden oder die clevere Schienentankstelle – die Preisträger machen das Bahnfahren von morgen einfacher und bequemer.
Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) machte dem Zughersteller mit Sitz in Salzgitter Mut, diesen Ideenwettbewerb weiter zu entwickeln: „Wir brauchen Menschen, die in Deutschlands Kernkompetenzen – den Innovationen – fit sind. Der Alstom Innovationspreis ist ein Beitrag dazu.“ Dr. Martin Lange, Vorstand der Alstom Deutschland AG, freute sich über die vielen Teilnehmer am Innovationspreis, der deutschlandweit ausgeschrieben war: „Wir sind dem Standort Deutschland verpflichtet. Dazu gehört auch die Förderung des Nachwuchses, die wir mit diesem Wettbewerb vorantreiben wollen!“
Ein wichtiges Bekenntnis von Alstom, welche als Hersteller von Lokomotiven, Bahntechnik, Zügen sowie S- und U-Bahnen im Moment keine leichten Zeiten durchlebt. Gegenüber deutschebusinessnews spricht Lange im Deutschlandgeschäft von einer „gewissen Durststrecke“.
Clevere Idee: Koffer im Zug endlich aus dem Weg!
Wer kennt das nicht? Man steigt in einen Zug ein und muss sich in den Gängen und Abteilen durch einen Slalom von Koffer und Taschen herumschlängeln. Das darf nicht sein, dachten sich Daniel Reitzig, Paul Richter, Florian Schneider, Marvin Stein, Martin Sartorius, Dennis Thinius, Stephan Wiegel und Philip Wiewall von der Ostfalia Hochschule in Wolfenbüttel. Die cleveren Maschinenbaustudenten ermittelten den „Normkoffer“ – den sogenannten 95 Prozent Koffer. Dahinter verbergen sich die Maße von 40 x 80 x 60 Zentimeter – 95 Prozent aller Koffer sind so groß oder kleiner. Doch wohin damit, dass es niemand nervt? Wiegel und sein Team tüftelten. Dann kamen zwei Konzepte heraus: Die Koffer werden einfach unter die Sitze geschoben. Oder zwischen die Sitzlehnen. Stefan Wiegel zu deutschebusinessnews: „Um den 95 Prozent Koffer unter die Sitze schieben zu können, müsste man vorhanden Züge umbauen. Bei neuen Bahnen kann man die Züge so planen, dass der Aufbau stimmt.“ Nachteil des Kofferstellplatzes zwischen den Rückenlehnen, so Dennis Thinius selbstkritisch: „Dann gehen pro Wagen rund 10 Sitzplätze verloren.“ Gerade aufgrund der kritischen Machbarkeitsstudie gabs für die Koffer-Idee den ersten Platz beim Alstom Innovationspreis 2010 – 6000 Euro.
Nils Breyer macht das Fahren mit Bus und Bahn noch leichter

Informatik-Student Nils Breyer (21) von der TU Braunschweig entwickelte eine noch bessere Software für Bahn- und Busfahrer - Platz 2 beim Alstom Innovationspreis 2010
Informatik-Student Nils Breyer (21) träumt von einem iPhone. Das kann er sich wohl bald leisten… Denn der zweite Platz im Alstom Innovationspreis ist mit 3000 Euro dotiert. Und diesen Preis gabs für das Konzept einer neuen Schnittstelle, die Internet-Anwendungen wie Facebook, den „elektronischen Fahrplan“ und den „DB Navigator“ miteinander verknüpft. Breyer: „Es gibt so viele Daten bei einzelnen Anbietern, die man miteinander verknüpfen kann und die das Fahren mit Bus und Bahn enorm erleichtern können.“ Verkehrsunternehmen haben die Bahnsteig- S-Bahn-, U-Bahn oder Bussteighöhen, verschiedenen Fahrpläne. Über Facebook kann man Personen orten. Breyers Idee: Wenn man diese Informationen verknüpft, hilft das allen: Behinderte können die idealen Nah- und Fernverkehrsverbindungen mit einem Smartphone wie dem iPhone über Breyers Schnittstelle (Fachdeutsch: API) finden, ohne mit dem Rollstuhl nicht in den Bus zu kommen. Freunde können sich über Facebook im Zug finden und ein Pläuschen halten, und endlich gibts eine lückenlose Verbindung zwischen den Fahrplänen der Deutschen Bahn und den Öffis vor Ort.
Der Super-Wagen des gelernten Lokführers

Dieser Wagen liefert Strom, Diesel und Druckluft für Baustellen auf den Schienen. Dafür gabs den dritten Platz für Roland Heise beim Alstom Innovationspreis 2010
Sieht schon schnittig aus, was der gelernte Lokführer Roland Heise (28) da am Computer animiert hat. Doch der zentrale „Energie- und Versorgungswagen“ des Maschinenbaustudenten der FH Lübeck ist eine echte Neuheit, die ihm auf den vielen Fahrten durch Deutschland eingefallen ist. Heise zu deutschebusinessnews: „Bisher wird die Versorgung der Bau-Maschinen auf den Gleisen nicht optimal gelöst. Neben den Schienen stehen einzelne Notstromaggregate, zur Betankung der Bagger müssen Kesselwagen hin- und hergefahren werden.“ Also machte sich der Student ans Werk und packte alle alle Teile auf eine Standard-Plattform für Güterwagen: Einen Tank, der bis zu 30000 Liter Diesel fasst, dazu einen Generator für Strom und eine Druckluft-Anlage. Rund um den zentralen Energie- und Versorgungswagen sind Neonleuchten, damit die Bauarbeiter auch was sehen können. Dazu gibts Platz für Betriebsstoffe wie Öl, Werkzeug oder Fette. Heises größter Traum: „Ein Praxissemester bei Alstom Service in Stendal“. Das könnte jetzt auch klappen…
Preisträger des Alstom Innovationspreises freuen sich – die Firma muss kämpfen

Die Preisträger des Alstom Innovationspreises 2010: Marvin Stein, Philip Wiewall, Paul Richter, Martin Sutoris, Nils Breyer und Roland Heise (v. li.)
Und während sich die Preisträger des Alstom Innovationspreises 2010 auf dem Heimweg noch freuen, ist Dr. Martin Lange, Vorstand Alstom Deutschland AG, schon auf dem Weg nach Berlin. Er kämpft um Aufträge, um die Arbeitsplätze allein von über 2200 Mitarbeitern am Standort Salzgitter..
Lange zu deutschebusinessnews: „Da die Ausschreibungen im Regionalverkehr nicht so zügig laufen, wie wir das erwarten, rechnen wir mit einer gewissen Durststrecke. Die Auftragspolster in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro sind demnächst abgearbeitet. Im Bereich der Regionalbahnen, wo Alstom Deutschland traditionell stark ist, werden in den nächsten fünf bis sechs Jahren aber 350 Millionen Personenkilometer ausgeschrieben. Davon wird Alstom dann profitieren.“
Trotz des Stopps der Regionalbahn in Braunschweig glaubt Alstom-Vorstand Lange auch hier an Aufträge für das benachbarte Werk in Salzgitter: „Für mögliche Alternativ-Konzepte, die wir unterstützen werden, haben wir Produkte wie zum Beispiel den Lint Dieseltriebwagen, der eine vernünftige Anbindung der Braunschweiger Straßenbahnnetze an den Regionalverkehr ermöglicht. Eine Lösung, die dem Fahrgast bessere Verbindungen bringt!“




























MathX3-Projektverantwortlicher Prof. Dr. Dirk Saller (Foto) von der Dualen Hochschule Baden Württemberg in Mannheim: „Mathe ist immer noch ein Angstfach. Mit der Erweiterung unseres Internet-Angebots wollen wir den Schülern mehr Selbstbewusstsein schaffen, um durch anwendungsorientierte Aufgaben und Lösungswege den Spaß an der Mathematik zu erhöhen.“
Die Alstom Deutschland AG unterstützt das Internetportal MathX3, um dem akuten Ingenieurmangel entgegen zu wirken. Finanzvorstand Dr. Karlheinz Eichler (Foto) : „Wir sind ein Ingenieur-getriebenes Unternehmen. Unser Erfolg steht und fällt mit guten Ingenieuren.“ Bei 60000 offenen Ingenieurstellen gäbe es in Deutschland jährlich nur 40 000 Absolventen, die das Ing-Studium abschließen würden. Allein bei Alstom seien bei den betrieblichen Stellenausschreibungen 80 offene Ingenieurstellen gemeldet gewesen, so Eichler. In einer „Partnerschaft“ trage Alstom seinen Anteil an den Kosten für MathX3, die Prof. Saller in „sechsstelliger Höhe“ angab.

