Alstom Transport-Präsident Mellier: Low Cost Tram soll Bus Konkurrenz machen

Wien

Philippe Mellier, President von Alstom Transport, hat auf der UITP in Wien eine neue „Low Cost Straßenbahn“ angekündigt. Zielgruppe seien dabei Städte ab einer Einwohnerzahl von 100000 Einwohnern. Mit diesem Produkt wolle man sich neue Zielgruppen erschließen, die bisher beim öffentlichen Nahverkehr auf den Bus setzten.

Mellier: „Mit der Low Cost Straßenbahn wollen wir direkt gegen den Bus antreten.“

Alstom will in den nächsten zwei Jahren ein Gesamtsystem entwickeln, um die Kosten für ein neues Straßenbahn-Netz um 20 bis 30 Prozent zu senken. Dabei geht es um die Elemente Schiene, Steuerung, Elektrifizierung und die Straßenbahn an sich. Über 30 Jahre lang kalkuliert, könne die neue „Low Cost Straßenbahn“ dabei mit dem Bus konkurrieren.

Philippe Mellier, President Alstom Transport, will mit der Low Cost Straßenbahn dem Bus Konkurrenz machen

Philippe Mellier, President Alstom Transport, will mit der Low Cost Straßenbahn dem Bus Konkurrenz machen

Die Low-Cost Straßenbahn ist bis zu 30 Prozent günstiger

Mellier: „Ein Bus muss in dreißig Jahren dreimal ersetzt werden. In diesem Zyklus sind auch die Kraftstoff und Wartungskosten für einen Bus viel höher als für eine Straßenbahn.“ Die Kostenersparnis solle u.a. durch einfache Haltestellen, die lediglich aus einer Plattform mit Leuchten und Fahrkartenautomat besteht, erreicht werden. Außerdem gilt es, die Kosten für die teure Infrastruktur wie Gleise und Zugsteuerung zu minimieren. Alstom sei laut Mellier der einzige Anbieter, der statt Oberleitungen auch die Stromversorgung der Straßenbahn mit einer ebenerdigen Lösung schon im funktionierendem Betrieb hat.

Mellier: „Die Kosten für die Inneneinrichtung haben nur einen ganz geringen Anteil am Gesamtpreis. Der Kunde wird den gewohnten Komfort in der Low Cost Straßenbahn haben.“

Das neue Gesamtkonzept der Low Cost Straßenbahn soll in Valenciennes im Norden von Frankreich entwickelt werden. Hier befindet sich das Alstom Kompetenzzentrum für Trams.

Mellier: Weltweiter Markt für Transport stabil

Denn weltweiten Markt für Transport sieht Mellier weiterhin als „stabil“ an. Bisher sei der Umsatz jährlich um 2 bis 3 Prozent gestiegen. Mellier: „Vielleicht kann es dieses Jahr auch 0 Prozent geben. Das ist aber etwas fundamental anderes als Umsatzeinbrüche um 20 oder 30 Prozent.“

Für Alstom sieht er Perspektiven in Osteuropa und in Russland. In einem Joint Venture mit der TransmashHolding, an dem Alstom mit 25 Prozent und einer Aktie beteiligt ist, würden neue Geschäfte generiert werden. Zunächst müsse die 25 Jahre alte Bahntechnik im größten elektrifizierten Netz der Welt modernisiert werden. Für die Winterspiele in Sotchi 2014 sollen Hotel-Züge fahren. Da sich die Eisenbahnkunden in Russland mehrere Tage im Zug unterwegs seien, will Alstom gemeinsam mit der TransmashHolding Doppelstock-Züge mit Lounges, Bars, Schlafräumen und Restaurants entwickeln und bauen. Mellier: „Hier sehen wir ein Marktvolumen von 3000 Fahrzeugen, von denen zwischen 200 und 300 pro Jahr gebaut werden.“

In Russland baut Alstom Hotelzüge im Doppelstock-Waggon

In der Transmash-Holding sollen auch neue, frostsichere Lokomotiven entwickelt werden. Laut Mellier seien die vorhandenen Loks völlig veraltet. Mellier rechnet hier mit einem Marktvolumen von 1000 Lokomotiven im Jahr.

Das forsche Auftreten von Siemens auf dem russischen Markt sieht Mellier gelassen: „Jeder will versuchen, zu gewinnen. Aber ich glaube, wir sind gut vorn. Die Transmashholding mit einem Marktanteil von 80 Prozent in Russland hat sich für uns als strategischen Partner entschieden. Das gibt uns einen klaren langfristigen Vorteil. Nicht nur, weil Transmash stark im Markt ist, sondern weil sie die Entwicklungskapazität und das Know How der russischen Eisenbahntechnik haben. Weil auch der Bahn-Operator RZD mit demselben Anteil wie wir im Joint Venture sind, ist das eine Situation, bei der alle Beteiligten gewinnen werden.“

Auch im Bereich der Hochgeschwindigkeitszüge, sieht sich Alstom in Russland gut aufgestellt. Mellier: „Siemens bietet Hochgeschwindigkeitszüge mit 200 km/h, unsere Pendolinos sind 220 bis 250 km/h schnell.“

Alstom jetzt auch im Markt von Österreich aktiv

Ferner nahm Mellier Stellung zum Markteintritt von Alstom auf den österreichischen Markt. Laut Angaben des Bundesverbandes der österreichischen Bahnindustrie wird hier ein jährlicher Umsatz von 2,5 Milliarden Euro gemacht. Davon sei 65 Prozent Exportanteil.

Mellier: „Der österreichische Markt wird bisher von Siemens und Bombardier beherrscht. Es scheint, als ob wir ein am Anfang ein paar kleine Schwierigkeiten überwinden müssen, um unsere erfolgreiche Produkte in Österreich zu vermarkten. Wir haben aber ein paar Chancen. Die sehen wir zum Beispiel im Signalisierungsbereich, wo eine große Ausschreibung startet.“

Dabei geht es um ein Auftragsvolumen von rund 200 Millionen Euro, dass mit EU-Mitteln gefördert wird. Hierbei soll die Hochgeschwindigkeitsstrecke Wien-Salzburg mit dem European Train Control System ausgerüstet werden. Das ETCS ist ein genormtes System, mit dem Hochgeschwindigkeitszüge in Europa durch Signale elektronisch gesteuert werden.

Alstom Transport hofft aber auch, bei den anstehenden Ausschreibungen zum Beispiel für das neue Wiener S-Bahn-Netzes zum Zuge zu kommen. Dabei geht es um bis zu 100 S-Bahnen mit einem Auftragsvolumen in dreistelliger Millionenhöhe. Dies wäre gut für das Alstom-Werk in Salzgitter, wo diese Züge gefertigt werden. Die Produktion mit 2500 Mitarbeitern baut 100 Fahrzeuge pro Jahr.

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